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Geschichte

Diskussion

Menschlichkeit und Katastrophe

Datum:

08.12-08.12

Zeit:

11:00

Partner:

Ukrainisches Institut

Das Institut für die Wissenschaften vom Menschen

Center for Urban History of East Central Europe

Wie verstehen wir die Zerstörung des 20. Jahrhunderts?

Live Stream

Freier Eintritt. Anmeldung erforderlich: https://www.iwm.at/events/event/humanity-and-catastrophe/

 

In der “Ost-West-Straße” machte sich Philippe Sands daran, die Rolle des Rechts bei der Verarbeitung der Schrecken des Holocaust zu verstehen, indem er das Leben von drei Anwälten nachzeichnete, die an der Entwicklung von Begriffen „Völkermord“ und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ beteiligt waren. Zwei von ihnen studierten Rechtswissenschaften in der Nachkriegszeit und in der Zwischenkriegszeit in Lemberg / Lwów / Lviv und waren polnische Juden, und der dritte war ein Angeklagter in Nürnberg, den sie anklagten. Sands hebt die Verflechtung persönlicher Biografien, politischer Kontexte und intellektueller Genealogie und ihrer Nachwirkungen in der internationalen Reaktion auf NS-Verbrechen hervor. Die Beziehung zwischen dem Individuum und der Gruppe sowie die Katastrophe stehen auch im Mittelpunkt von Serhii Plokhiis Tschernobyl, das die ökologischen und menschlichen Folgen eines Versagens eines dualen Systems aufzeigt: sowohl politisch als auch wissenschaftlich. Er zeigt, wie einzelne Wissenschaftler und Bürokraten innerhalb einer tödlich fehlerhaften sowjetischen institutionellen Struktur arbeiteten, diese aufrechterhielten und sich damit auseinandersetzten – und wie die Tschernobyl-Katastrophe zum Niedergang des sowjetischen Systems beitrug. Beide Bücher wurden 2016 und 2018 mit dem Baillie-Gifford-Preis für Sachbücher ausgezeichnet. Das Kulturjahr Österreich-Ukraine 2019 bringt diese beiden Autoren zusammen, um diesem bilateralen Format einen breiteren Rahmen zu bieten und um Themen zu erweitern, die sowohl für die nationale als auch für die globale Diskussion von entscheidender Bedeutung sind. In diesem Gespräch reflektieren die beiden Autoren die systemischen und persönlichen Facetten von Katastrophen großen Ausmaßes, die Beziehung zwischen Stille und Erinnerung und Lehren für die Zukunft der Menschheit.

Serhii Plokhii ist Mykhailo-Hrushevsky-Professor für Ukrainische Geschichte und Direktor des Ukrainian Research Institute an der Harvard University. Sein Buch Tschernobyl: Geschichte einer Tragödie wurde 2018 mit dem Baillie Gifford-Preis für Sachbücher und 2019 mit dem Puschkin-Hauspreis ausgezeichnet. Sein neuestes Buch ist „Vergessene Bastarde der Ostfront: Eine unerzählte Geschichte des Zweiten Weltkriegs“ (London: Penguin, 2019).

Philippe Sands ist Professor für Rechtswissenschaft an der University College London und Rechtsanwalt bei Matrix Chambers. “Ost-West-Straße” gewann den Baillie Gifford-Preis 2016 und den Prix Montaigne 2018. Sein neues Buch “Die Rattenlinie” erscheint im April 2020.

Moderatorinnen:
Sofia Dyak (Zentrum für urbane Geschichte, Lemberg) und
Katherine Younger (Institut für die Wissenschaften vom Menschen, Wien).