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Kinderchor Schtschedryk erobert Wien im Sturm

Chefdirigent des Shchedryk Chor

Die Funktion der Chorkultur in der westlichen Welt ist viel bedeutender und heiliger als im postsowjetischen Raum. Es wurde seit vielen Jahrhunderten nicht unterbrochen. Es ist nicht nur die Grundlage der Musikausbildung, sondern auch ein obligatorischer Bestandteil des Bildungsprozesses an Privatschulen und renommierten Universitäten, an denen die zukünftige Elite der Gesellschaft gebildet wird.

Die Saison 2019 war geprägt von einem weiteren Triumph für den Schtschedryk-Chor, nämlich dem Gewinn des XIII. Internationalen Jugendmusikfestivals/Wettbewerbs für Chöre und Orchester Summa Cum Laude in Wien, Österreich (SCL Festival 2019). In den 13 Jahren seiner Geschichte nahmen mehr als 14.000 Teilnehmer aus 42 Ländern auf 5 Kontinenten an diesem großen Musikprojekt teil und es zu einem wichtigen Schwerpunkt der internationalen Kommunikation gemacht.

Traditionell finden Festivalaufführungen in den besten Konzertsälen der österreichischen Hauptstadt als Solokonzerte statt. Im Rahmen des Wettbewerbsprogramms präsentieren Jugendensembles der Jury ihre eigenen Interpretationen von zwei festgelegten europäischen Klassikern und selbstständig ausgewählten Werken von Komponisten ihrer jeweiligen Länder.

Die Jury bestand 2019 aus Musikprofessoren aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien, den USA, Argentinien, der Slowakei und Polen. Was es noch erfreulicher macht, ist die Tatsache, dass hier auf dem Forum in der Musikhauptstadt der Welt mit einer so hochkarätigen Darstellung die „Schtschedryks“ vom ersten Tag an zu einer echten Sensation des Wettbewerbs wurden. Das Ergebnis des Festivals war die Verleihung des Hauptpreises an das ukrainische Kollektiv mit der Bemerkung „Herausragender Erfolg“!

Die fünf Festivaltage waren ereignisreich und jeder einzelne konnte den Puls eines jeden höher schlagen lassen, wer sein Leben der Musik gewidmet hat oder ernsthaft daran interessiert ist. Und die Grandezza der Veranstaltungsorte hat natürlich zur professionellen und festlichen Atmosphäre beigetragen.

Zum Beispiel fand die Wettbewerbsaufführung im berühmten (und aus den Wiener Ballvideos leicht erkennbaren) Goldenen Saal des Musikvereins statt. Eines der Solokonzerte fand auf der Bühne des neuen MuTh-Theaters statt, das mit der neuesten Technologie (insbesondere Akustik) ausgestattet und speziell für den Wiener Sängerknaben gebaut wurde. Die Workshops fanden in den mit Musiklegenden gefüllten Proberäumen des Wiener Konservatoriums statt. Und schließlich fand das abschließende Galakonzert in der unglaublichen Großen Halle des Wiener Konzerthauses statt, in der alle 1800 Plätze besetzt waren.

Jeder Auftritt von „Shchedryk“ in diesen renommierten Sälen sorgte für echte Aufregung beim multinationalen Fachpublikum. Daher kann man behaupten, dass „Shchedryk“ bei aller Bescheidenheit seine integrative kulturelle Funktion (Aufgabe) erfüllte und erberte dieses Festival im Sturm beziehungsweise im Begeisterungssturm und Beifall für die Zugabe. Die professionellen Zuschauerinnen und Zuschauer nicht nur aus Europa, den USA und Kanada, sondern auch aus Lateinamerika, Australien und Südafrika haben jetzt den Eindruck von der Aufführungskapazität und dem gesamten Musikniveau des ukrainischen Kollektivs. Langjährige Erfahrung zeigt, dass die Erweiterung der „Kommunikationsgeographie“ unter den informellen Bedingungen des Festivals fast immer eine genaue Projektion auf der nachfolgenden Tourkarte erzeugt.

Wenn wir uns jedoch die Hintergrundgeschichte dieser Veranstaltungen ansehen, muss man zugeben, dass die Teilnahme an internationalen Veranstaltungen dieser Größenordnung immer eine Herausforderung für unser Team darstellt, nicht nur in professioneller, sondern auch in finanzieller Hinsicht. Und diese Reise war keine Ausnahme.

Im Laufe einer langen und langwierigen Spendenaktion appellierten die Leiter des Chores und der Partnerorganisation (in den letzten drei Jahren wurde diese Rolle von der NGO International Institute for Cultural Diplomacy übernommen) an mehrere öffentliche Institutionen, Stiftungen und Einzelpersonen. Unter anderem haben wir uns an das Ukrainische Institut gewandt und vorgeschlagen, Schtschedryks Teilnahme am Wiener Wettbewerb in das staatliche Programm für kulturelle Veranstaltungen des bilateralen Jahres Ukraine-Österreich 2019 aufzunehmen. Ehre, wem Ehre gebührt: das Ukrainische Institut unter dem Außenministerium der Ukraine hat sich aktiv am Prozess beteiligt.

Damit wurde ein Präzedenzfall geschaffen: Zum ersten Mal seit fast einem halben Jahrhundert von Schtschedryks Bestehen hat sich eine Regierungsbehörde verpflichtet, ein Projekt zu finanzieren, das mit einer so massiven Struktur wie einem Chorensemble verbunden ist.

Wir freuen uns, dass die Projektleiterin des Instituts Alyona Kukhar mit uns zusammengearbeitet und die Aufgabe übernommen hat, die Einhaltung aller Anforderungen der ukrainischen Gesetze zur öffentlichen Finanzierung sicherzustellen, und sich als sehr verantwortungsbewusste und engagierte Person erwiesen hat. Durch ihre Bemühungen wurde die Möglichkeit, Schtschedryk für internationale Präsentations- und Reputationszwecke einzusetzen, auf offizieller Ebene geprüft und erkannt.

Die Funktion der Chorkultur in der westlichen Welt ist viel bedeutender und heiliger als im postsowjetischen Raum. Es wurde seit vielen Jahrhunderten nicht unterbrochen. Es ist nicht nur die Grundlage der Musikausbildung, sondern auch ein obligatorischer Bestandteil des Bildungsprozesses an Privatschulen und renommierten Universitäten, an denen die zukünftige Elite der Gesellschaft gebildet wird.

In der Sowjetzeit machte sich Schtschedryk als ein auf Europa orientiertes Kollektiv einen Namen. Im Laufe der Zeit hat der Chor eine solche internationale Anerkennung erreicht, die in ihrer Bedeutung (in ihrem Niveu) den olympischen Sportmedaillen ähnlich ist.

Der Chor beeindruckt das westliche Publikum.

Vor diesem Hintergrund könnte das Ensemble in Bezug auf die Bestätigung seiner europäischen Identität zum Vorteil unseres Landes genutzt werden, denn was Schtchedryk so einzigartig macht, ist, dass es die Muttersprache Europas besser spricht als die Muttersprachler! Und das Kollektiv ist es wert, ein Nationalstolz zu sein, wie zum Beispiel die Wiener Sängerknaben, ein ähnliches Ensemble, das die Österreicher zu einer weltweit anerkannten Marke gemacht haben.

Es ist klar, dass das Genre, zu dem der Schtschedryk-Chor gehört, der Grund ist, warum er ziemlich viele Mitglieder hat, und angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen Umstände ist jedes internationale Projekt für unseren Chor unüberwindbar.

Daher ist die Schaffung und Funktionsweise einer mobilen und leicht zugänglichen staatlichen Einrichtung – des Ukrainischen Instituts unter dem Außenministerium der Ukraine – für kulturelle Phänomene wie Shchedryk von entscheidender Bedeutung! Heute bietet das Ukrainische Institut, eine Organisation, die sowohl eine kompetente Expertenbewertung einer Veranstaltung als auch deren finanzielle Unterstützung ermöglicht, im Grunde die einzige Gelegenheit, gegenüber der Welt eine Erklärung im Maßstab abzugeben, der unseres Landes würdig ist, und das Motto buchstäblich umzusetzen: „Unsere Stimme von der Welt hören lassen / Making our voice heard by the world“.

 

Foto – Guus Krol.